Anonymität ist der „Sachverhalt, wenn eine Person, eine Gruppe, eine Institution oder eine agierenden Struktur nicht identifiziert werden kann“. Viele Personen sehen das Internet als ein Anonymität gewährleistendes Medium an und bloggen über ihr Leben ohne den Nutzerkreis dieser Informationen einzugrenzen. Ich möchte in diesem Artikel nicht über den Sinn oder Unsinn so eines Vorhabens, also den seelischen Striptease, philosophieren, sondern hier exemplarisch auf den Irrglauben der Anonymität im Internet hinweisen. Denn auch ohne technische Mittel kann man Blogger leicht identifizieren. In der Forschung nennt man dies dann Bleeding Attack, der z.B. gegen Mixnetzwerke angewandt werden kann.
Heutig Blog-Provider wie blogger.com o.ä. bieten jeder Person eine einfach einzurichtende Plattform, um unter einem Pseudonym über Alles und Jeden zu schreiben. Sie gehen davon aus, dass auf Grund Ihres Pseudonyms keine Rückschlüsse auf ihre wahre Identität möglich sind.
Ich nehme hier mal ein Beispielblog, deren Blogadresse ich aus moralischen Gründen hier nicht angeben werde, da sonst diese Person wahrscheinlich sowohl das Jugendamt, Arbeitsamt und wahrscheinlich noch andere Anwälte auf der Matte stehen hätte. Diese Person publiziert fast wöchentlich über ihr gesamtes berufliches und privates Leben. Hierbei werden auch keine intimen Details aus dem Liebesleben mit dem neuen Lover oder Geliebten oder dem neuen Nebenjob, den man (natürlich) nicht bei der Arge angemeldet hat, ausgelassen. Diese Autobiographie wird nun seit über 3 Jahren unter einem Pseudonym fortgeschrieben. Hierbei hat sich für die Identifikation der Person einiges an Daten angesammelt.
- Wohnt in einer kleineren Stadt
- Datum des Stadtfests (ab hier kann man zu fast 100% die Stadt per google bestimmen)
- Familienstand (etc.): geschieden, 3 Kinder, etc.
- Auto: Marke, Baujahr etc.
- Größe und Aussehen des Freundes / Geliebten
- Genauere Beschreibungen der Kinder (Alter, Haarfarbe etc.)
- ...
Somit kann man an einem regnerischen Sonntag so einige Informationen sammeln, wodurch die Person fast eindeutig identifiziert werden kann. Exemplarisch konnte ich bei meinem Fall den Wohnort bis auf einen Stadtteil einer (Klein-)Stadt eingrenzen. Die Anzahl der möglichen Arbeitgeber auf unter 10 in dem Umkreis reduzieren. Das Auto eindeutig identifizieren (Marke, individuelle Eigenschaften wie Macken und Inneneinrichtung), etc. Somit würde ein Tag vor Ort gewiss ausreichen, um diese Person eindeutig zu identifizieren. Sollte jemand die wahre Identität nach so einem Angriff publizieren sind die Konsequenzen, sowohl juristisch, da Verstöße explizit angekündigt und nachträglich niedergeschrieben wurden, als auch die sozialen Auswirkungen, wenn plötzlich die Freunde und Schulkameraden der Kinder alle Details über das Leben dieser Person nachlesen können, kaum abzusehen.
Es gibt natürlich Mechanismen um eine Identifikation zu verhindern. Dies wird in den meisten Fällen durch eine Sanitarisierung (Veränderung der betroffenen Namen und Institutionen in einem rückschlussfreien Ersatzkontext) der Information sichergestellt. Jedoch würde kaum noch ein „interessanter“ Blogeintrag entstehen.
Ich möchte an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, dass ich kein Gegner der informationellen Selbstbestimmung bin, aber jede Person sollte ganz genau über die Tragweite seiner Handlungen nachdenken und sich nicht durch Pseudonyme geschützt fühlen. Und an dem hier skizzierten Beispiel, das ich absichtlich so abstrakt gehalten habe um die Personen zu schützen, werden vielleicht manch einer Person klar, dass Anonymität im Internet auch ohne technische Möglichkeiten teilweise mit einfachsten Mitteln aufhebbar ist. (DP)
DP |
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